Die 72 Tage der Pariser Commune PDF Drucken E-Mail

Der Traum von Freiheit und Gerechtigkeit

Die Sehnsucht der Menschen nach Freiheit und Gerechtigkeit besteht, solange es Unterdr√ľckung gibt. Die erste erfolgreiche Macht√ľbernahme der arbeitenden Klasse war die Pariser Commune vom 26. M√§rz bis zum 30. Mai 1871. In einer Zeit, noch bevor die marxistische Bewegung Bedeutung erlangte, nahm die Pariser Bev√∂lkerung ihr Schicksal selbst in die Hand und versuchte eine Gesellschaft aufzubauen, die unter der demokratischen Kontrolle von ArbeiterInnen, Arbeitslosen, kleinen Handwerkern und einfachen Soldaten stand.

Nach der Niederlage Napoleons im deutsch-franz√∂sischen Krieg 1870 wurde das Kaiserreich am 4. September von den Massen in Paris gest√ľrzt und Frankreich wurde wieder eine Republik. Die n√§chsten vier Monate wurde Paris von 150.000 preu√üischen Soldaten belagert. Zorn, Hunger und Krankheiten lie√üen die Unterdr√ľckten und Ausgebeuteten in Paris auf die Stra√üe gehen, um gegen die nach der Flucht Napoleons gebildete Regierung zu protestieren. Denn die neue Regierung handelte nur im Interesse der Reichen, die Unmengen von Geld auf die Seite schafften, w√§hrend die Bev√∂lkerung hungerte. Der deutsch-franz√∂sische Krieg hatte vor dem Hintergrund einer rasanten kapitalistischen Ent¬≠wicklung stattgefunden. Infrastruktur, Post, Eisenbahn- und Telegraphennetz sowie Werften waren in atemberaubend kurzer Zeit aufgebaut, die Kohlef√∂rderung und die Eisenpro¬≠duktion um ein Vielfaches gesteigert¬† worden. 1860 z√§hlte Paris 416.000 Lohnabh√§ngige, die 14-16 Stunden pro Tag f√ľr Hungerl√∂hne arbeiten mussten, w√§hrend die Herrschenden in Luxus und Verschwendung lebten.

Um sich gegen die Unterdr√ľckung durch das neu gebildete B√ľndnis der franz√∂sischen und preu√üischen Regierung zu wehren, hatte sich die Pariser Bev√∂lkerung zu einer bewaff¬≠neten Miliz formiert. Als Regierungstruppen in der Morgend√§mmerung des 18. M√§rz versuchten, die in Paris verbliebenen Kanonen aus der Stadt zu schaffen, √ľbernahm die Pariser Bev√∂lkerung die Macht. Besonders der Entschlossenheit der Frauen ist zu verdanken, dass ein Gro√üteil der Soldaten die Waffen niederlegte und sich der Bewegung anschloss.

‚ÄěDie Frauen gingen zuerst vor, wie in den Tagen der Revolution. Die Frauen vom 18. M√§rz waren durch die Belagerung gest√§hlt - sie hatten eine doppelte Portion des Elends zu tragen gehabt - und warteten nicht auf ihre M√§nner. Sie umringten die Mitrailleusen und spra¬≠chen auf die Gesch√ľtzf√ľhrer ein: 'Es ist eine Schande! Was macht ihr hier?' Die Soldaten schwiegen. Dann und wann sagte ein Unteroffizier: 'Geht, gute Frauen, macht, dass ihr fortkommt!' Der Ton seiner Stimme war nicht rauh, und die Frauen blieben ...‚Äú

Am 26. M√§rz 1871 rief ein stadtweiter Rat der Arbeiter und Soldaten die Pariser Commune aus. W√§hrend des mutigen Kampfes an den Barrikaden und Schutzw√§llen, mit denen die Stadt verteidigt wurde, unternahmen die Kommu¬≠narden weitsichtige Schritte in Richtung einer klassen¬≠losen Gesellschaft. Fabri¬≠ken wurden verstaatlicht und unter die Kontrolle von Arbeiterr√§ten gestellt. Diese waren demokrati¬≠scher und sozialer als alles, was man bis dahin kannte. Jeder konnte seine Ideen und W√ľnsche ein¬≠bringen und wenn jemand seinem Posten nicht gerecht wurde, konnte er jederzeit abgesetzt wer¬≠den. Die Kirche wurde vom Staat getrennt und alle Schuldzinsen und Mietr√ľckst√§nde wurden erlassen. EinwanderInnen wurden nicht nur als gleichberechtigte B√ľrgerInnen der Commune anerkannt, sondern √ľbernahmen viele Posten in der neuen Regierung.

Karl Marx schrieb:‚ÄěDie Kommune bildete sich aus den durch allgemeines Stimmrecht in den verschiedenen Bezirken von Paris gew√§hlten Stadtr√§ten. Sie waren verantwortlich und jederzeit absetzbar. Ihre Mehrzahl bestand selbstredend aus Arbeitern oder anerkannten Vertretern der Arbeiterklasse... Die Polizei, bisher das Werkzeug der Staatsregierung, wurde sofort aller ihrer politischen Eigenschaften entkleidet und in das verantwortliche und jederzeit absetzbare Werkzeug der Kommune verwandelt. Ebenso die Beamten aller anderen Verwaltungszweige. Von den Mitgliedern der Kommune an abw√§rts, musste der √∂ffentliche Dienst f√ľr Arbeiterlohn besorgt werden. Die erworbnen Anrechte und Repr√§sentationsgelder der hohen Staatsw√ľrdentr√§ger verschwanden mit diesen W√ľrdentr√§gern selbst...‚Äú

Bildung wurde zum Allgemeingut erkl√§rt, und es wurde sogar versucht Schulen aufzubauen, in der Kinder eine umfassende Bildung erhalten sollten. Dies war ein ungeheurer Fortschritt, da Bildung in dieser Zeit nur den Reichen und Adligen vorbehalten war. Die Todesstrafe wurde abgeschafft und die verhasste Guillotine √∂ffentlich verbrannt. Das stehende Heer wurde durch Arbeitermilizen ersetzt, Als Zeichen gegen den Krieg wurde die Vend√īme-S√§ule, ein Kriegsdenkmal, niedergerissen. Um ihren Internationalismus zu demonstrie¬≠ren, erkl√§rten die Kommunarden ihre Fahne zur Fahne der Weltrepublik.

Am 28. Mai begannen franz√∂sische und deutsche Truppen vereint mit dem Sturm auf Paris. Trotz des heldenhaften Widerstands wurden die Kommunarden von den Feinden √ľberrannt und in der darauf folgenden Woche √ľber 30.000 Kinder, Frauen und M√§nner r√ľcksichtslos abgeschlachtet. Auch wenn der Versuch, eine Gesellschaft ohne Ausbeu¬≠tung und Unterdr√ľckung aufzubauen, von der herrschenden Klasse niedergeschlagen wurde, steht die Pariser Kommune auch heute noch f√ľr viele als Vorbild und Beispiel daf√ľr, dass eine sozialistische Gesellschaft m√∂glich ist. Normal 0 21 false false false MicrosoftInternetExplorer4

erschienen in: Talktogether Nr. 10/2004

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Artikel von Hans Hautmann: Volksherrschaft f√ľr 72 Tage ‚Äď die Pariser Kommune 1871
http://www.klahrgesellschaft.at/Mitteilungen/Hautmann_1_11.pdf