USA: Die Geschichte der Black Panther Party PDF Drucken E-Mail

Power to the People

Die größte Rebellion der schwarzen Bevölkerung in den USA erschüttert 1967 Detroit. Überall gehen Schwarze mit dem Slogan „No Vietnamese called me a Nigger“ auf die Straße, nachdem der Boxer Muhammad Ali sich mit diesen Worten geweigert hatte, nach Vietnam zu gehen. Vor diesem Hintergrund beginnt der Aufstieg der Black Panther Party.

Die Bürgerrechtsbewegung war von den pazifistischen Ideen Martin Luther King beeinflusst, die Nation of Islam, aus der auch Malcolm X hervorgegangen war, vertrat religiös-nationalistische Ideen. Für Huey P. Newton und Bobby Seale, die sich am Merritt College in Oakland kennenlernten, waren diese Ansätze nicht attraktiv. Sie suchten eine Alternative und gründeten am 15. Oktober 1966 die Black Panther Party for Self-Defense. Ihr erstes Büro eröffnete die BPP am 1. Jänner 1967.

Ziel war die Selbstverteidigung der schwarzen Bevölkerung gegen Übergriffe der Polizei und die Aggressionen weißer Rassisten. Als Lösung für diese Probleme sah die Partei die Bewaffnung ihrer Mitglieder an. Finanziert wurde das Waffenarsenal der BBP aus Spenden und durch den Verkauf des „Roten Buches“ von Mao-Tse-Tung, das zu jener Zeit viele Menschen – egal ob schwarz oder weiß – ansprach. Der Panther wurde als Symbol gewählt, weil er, so Newton, niemals angreife, sich aber unerbittlich verteidige, wenn er bedrängt wird.


Ein halbes Jahr nach der Parteigründung erschien erstmals die Zeitung The Black Panther – Black Community News Service, die Auflage zählte schon zwischen 5000-6000 Stück. Bald wurde das Blatt, das von Eldridge Cleaver und seiner Frau Kathleen herausgegeben wurde, mit 125.000 Stück à 24 Seiten die auflagenstärkste linke Zeitung der USA. Als Erkennungszeichen trugen die Mitglieder eine schwarze Hose, ein blaues Hemd, eine schwarze Lederjacke und eine Baskenmütze sowie eine Afro-Frisur und Sonnenbrillen. Die Frauen waren gleichberechtigt und lernten wie die Männer den Umgang mit Waffen, ihre Kinder wurden derweil in einem Kindergarten betreut. Keinem Mann wurde erlaubt, gegen eine Frau Gewalt anzuwenden. Auch wenn heute manche die Panther wegen ihres Macho-Auftretens kritisieren, war dies fortschrittlich, wenn man bedenkt, dass die Neue Frauenbewegung gerade erst im Entstehen war. 1970 unterstrich Newton in einer Rede die Solidarität mit der Frauenbefreiungs- und der Homosexuellenbewegung.

Die Partei hatte großen Zulauf und die Mitgliederzahl vergrößerte sich von Jahr zu Jahr. Ihre Popularität verdankte die Partei jedoch weniger ihrem politischen Programm, als der praktischen Hilfe, die sie für die Menschen in den Ghettos leistete. Landesweit wurden täglich 30.000 Kinder mit einem kostenlosen Frühstück versorgt, an Bedürftige wurden Kleider und Lebensmittel verteilt. Die BPP führte ein kostenloses Transportprogramm zu den Gefängnissen für Angehörige durch, vermittelte Arbeitsstellen, kontrollierte die Drogenhändler in den Ghettos und gründete kostenlose Gesundheitsstationen. Als die Panther erfuhren, dass die Sichelzellenanämie eine vernachlässigte Krankheit war, weil vor allem aus Afrika stammende Menschen davon betroffen sind, gründeten sie ein Institut zur Erforschung dieser Krankheit, deren Leiter der Arzt Dr. Bert Small wurde.


Eine ungewöhnliche Allianz

Im Juli 1969 kam es in Chicago zur erstaunlichen Allianz zwischen den Black Panthers und ihren weißen Gegenspielern, den Young Patriots. Bei den Mitgliedern dieser Organisation handelte es sich um Migranten aus den Süden der USA, die stolz die Südstaatenfahne auf ihren Kleidern trugen, die meisten hatten Familienmitglieder im Ku-Klux-Klan. Was sie aber mit den Schwarzen gemeinsam hatten, waren die Armut und die Verachtung, die ihnen von der Elite Chicagos entgegenschlug. Ihr Anführer William Fesperman verstand, dass es galt, die Rassenschranken zu überwinden, und dass nur ein Bündnis zwischen allen armen und ausgebeuteten Bevölkerungsgruppen im Kampf gegen die Unterdrückung bestehen könne.

Wie mühsam es war, Vertrauen zwischen den Mitgliedern dieser so gegensätzlichen Gruppen aufzubauen, erzählt Panther Bobby Lee: “Ich musste mit ihnen den ganzen Tag herumlaufen, mit ihnen essen, in der Pool Halle herumhängen. Ich lag auf ihrer Couch, ging in ihre Nachbarschaft und lud sie in meine ein.“ Vom 18. bis 21. Juli 1969 organisierte die Black Panther Party mit ihnen und den Young Lords – einer politischen Gruppe von Puertoricanern, die aus einer Straßengang hervorgegangen war – im kalifornischen Oakland die Konferenz „United Front Against Fascism“, Tausende aus dem ganzen Land folgten ihrem Aufruf und nahmen an der Konferenz teil.

Es verwundert nicht, dass die herrschende Klasse so viel Selbstermächtigung als Bedrohung ansah. Das FBI setzte mediale Falschmeldungen, willkürliche Verhaftungen, Beweisfälschungen und sogar Mord ein, um die Black Panther Party zu vernichten. In dieser Zeit wurden auch massiv Drogen in die Ghettos eingeschleust. Ideologische Differenzen und interne Streitigkeiten, die teils gezielt durch spezielle FBI-Programme geschürt wurden, führten schließlich zum Niedergang der Partei. Das Beispiel zeigt einmal mehr, dass die Unterdrückten nicht unfähig sind, sich zu organisieren und etwas auf die Beine zu stellen, den Herrschenden aber jedes Mittel recht ist, um das zu verhindern.

Fotos: Stephen Shames (in: Power to the People, Abrams 2017)


veröffentlicht in Talktogether Nr. 69/2019