Corona-Pandemie: globale Krise und Weckruf PDF Drucken E-Mail

Corona-Pandemie: globale Krise und Weckruf

Das Corona-Virus (SARS-CoV-2) hat zu tiefgreifenden Ver√§nderungen in allen Bereichen unseres Lebens gef√ľhrt. Die Gesundheitskrise offenbart uns, wie anf√§llig unser System ist und welche Gefahren es f√ľr die Bev√∂lkerung birgt. Regierungen, Medien und die meisten medizinischen Einrichtungen sind jedoch so auf den Notfall konzentriert, dass die strukturellen Ursachen f√ľr diese Krise h√§ufig au√üer Acht gelassen werden. Die Corona-Pandemie hat n√§mlich dieselben Ursachen wie der Klimawandel und die maroden Gesundheitssysteme. Trotz all des Leids und der Not, trotz der √Ąngste und Belastungen, hat die Krise aber auch eine positive Seite: Die Natur erholt sich und wir denken dar√ľber nach, was f√ľr unser Leben wirklich wichtig ist.

Woher kommt das Corona-Virus?

Viren sind organische Strukturen, die keinen eigenen Stoffwechsel haben und sich nur innerhalb einer geeigneten Wirtszelle vermehren können. Der menschliche Körper trägt nicht nur eine Vielzahl von Bakterien, sondern auch Viren in sich. Die gleichen Viren, die uns krank machen, können sich auch dauerhaft im menschlichen Körper niederlassen, ohne dabei Krankheitssymptome hervorzurufen. Die Spanische Grippe, die am Ende des ersten Weltkriegs weltweit 50 Millionen Opfer forderte, zeigte jedoch, wie sich Viren an die Verhältnisse anpassen und immer tödlicher werden können, wenn sie auf große Menschenmassen mit geschwächten Abwehrkräften stoßen.

An die 75 Prozent der neuen Virusinfektionen sind Zoonosen - Krankheiten, die von Tieren auf Menschen √ľbertragen werden. Diese nehmen zu, da die Welt weiterhin eine beispiellose Zerst√∂rung freier Lebensr√§ume durch menschliche Aktivit√§ten erlebt, sagt Doreen Robinson, Leiterin des Bereichs Wildtiere beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen. Es gibt Vermutungen, dass Flederm√§use oder Schuppentiere die urspr√ľnglichen Tr√§ger des Covid-19 Virus waren. Auch die Viren, die Ebola, Aids, Zika oder die Vogelgrippe ausl√∂sen, kamen urspr√ľnglich in Tieren vor, die in tropischen Regenw√§ldern heimisch sind.

Weltweit werden die letzten Urw√§lder und von Kleinbauern bewirtschaftete Landfl√§chen von der industriellen Agrowirtschaft in Besitz genommen. Die starke Landnutzung, Waldrodungen und Monokulturen f√∂rdern jedoch die Entstehung von Epidemien, ist die Virologin Sandra Junglen √ľberzeugt, die an der Berliner Charit√© √ľber die √Ėkologie und Evolution von Viren forscht. Werden die Lebensr√§ume der Wildtiere und intakte √Ėkosysteme zerst√∂rt, f√ľhrt das zu einem Verlust der Artenvielfalt, so dass Krankheitserreger, die zuvor in den Wald√∂kosystemen gebunden waren, auf die lokale Viehzucht und menschliche Gemeinschaften √ľberspringen k√∂nnen. An einen neuen Wirt m√ľssen sich die Viren aber erst anpassen, das geschieht durch Ver√§nderungen des Genoms - so genannte Mutationen. Die Zunahme der Bev√∂lkerungsdichte und der Mobilit√§t der Menschen sorgt dann daf√ľr, dass aus einer Infektionskrankheit eine Pandemie wird, die die ganze Welt bedroht.

Ein weiterer Faktor, der den Ausbruch von Pandemien f√∂rdert, ist die Massentierhaltung. Die gro√üe Zahl von Tieren, die auf engem Raum oft unter unhygienischen Bedingungen zusammengepfercht werden, beg√ľnstigt nicht nur die schnelle √úbertragung und Vermischung von Viren, sondern auch deren Mutation. Und da heute immer mehr Menschen in St√§dten leben und Lebensmittel konsumieren, die industriell erzeugt und √ľber den ganzen Erdball transportiert werden, ist eine weltweite Ausbreitung von Krankheitserregern dann kaum noch aufzuhalten. Die Agro-Konzerne m√ľssen jedoch nicht f√ľr die Konsequenzen ihrer gef√§hrlichen Machenschaften einstehen und k√∂nnen die Kosten anderen aufb√ľrden: Der Natur, den lokalen Gemeinschaften, den Konsument*innen sowie dem Gesundheitspersonal, die dann mit den Folgen umgehen m√ľssen.

Corona und Umwelteinfl√ľsse

Es ist kein Zufall, dass gerade Norditalien von der Krise so hart getroffen ist, meint der √∂sterreichische Umweltbiologe Clemens Arvay. Die Po-Ebene ist eine Region, die von extremer Feinstaubbelastung betroffen ist, viele √§ltere Menschen dort haben bereits vor dem Ausbruch von Corona an Atemwegserkrankungen gelitten. Man wei√ü, dass sich Viren an Feinstaubpartikel heften und sich so verbreiten. Gleichzeitig schw√§chen Feinstaub und andere sch√§dliche Umwelteinfl√ľsse nachweislich das Immunsystem der Menschen. Und dies betreffe nicht nur das Corona-Virus, sondern auch die Influenza-Viren, die von Jahr zu Jahr gef√§hrlicher werden. In den letzten Jahren forderte die sogenannte Grippewelle in stark belasteten Gebieten wie in der norditalienischen Po-Ebene die meisten Todesopfer, nur wurde das bisher nicht so beachtet, meint Arvay. Dass die Welt√∂ffentlichkeit jetzt so genau hinsieht, sei eine Chance.

Der belgische Umweltsch√ľtzer Fran√ßois Gemenne wundert sich, wie schnell Regierungen reagieren, wenn die Menschen und ihr Wirtschaftssystem krank werden. "Warum haben wir vor dem Corona-Virus so viel mehr Angst als vor dem Klimawandel und der Verschmutzung der Atmosph√§re?" Mehr als 11.000 Wissenschaftler*innen aus 153 L√§ndern warnen seit Jahren und Jahrzehnten, dass die globale Klimaerw√§rmung Kettenreaktionen ausl√∂sen kann, die signifikante Ersch√ľtterungen des √Ėkosystems zur Folge haben und gro√üe Gebiete unserer Erde unbewohnbar machen k√∂nnen. Sch√§tzungen der WHO zufolge sterben au√üerdem jedes Jahr weltweit sieben Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung. Allein in China haben die Ma√ünahmen zur Bek√§mpfung des Corona-Virus - wie Produktionsr√ľckgang und Reisebeschr√§nkungen - die Emissionen um 100 Millionen Tonnen reduziert. Zwei Monate Reduktion der Luftverschmutzung k√∂nnten somit mehr Menschen das Leben gerettet haben als durch den Virus gestorben sind.

Atempause f√ľr die Natur?

Das Wasser in den Kan√§len von Venedig ist so sauber wie noch nie. Seitdem keine Frachter mehr fahren, sind Delfine zur√ľckgekehrt und man kann Millionen kleiner Fische sehen. Auf Satellitenaufnahmen ist in Norditalien ein deutlicher R√ľckgang der Luftverschmutzung zu erkennen. Aufnahmen, die zeigen, wie sauber die Luft in China innerhalb von ein paar Wochen geworden ist, sind um die Welt gegangen. Man stellt aber auch fest, wie rasch sich das alles wieder √§ndert, sobald die Restriktionen gelockert und die Produktionen wieder aufgenommen werden.

Weniger Reisen, weniger Fl√ľge und weniger industrielle Produktion bedeuten sowohl weniger CO2-Emissionen als auch weniger Feinstaubbelastung. Der R√ľckgang der Produktion hatte zudem den Effekt, dass weniger Material um die Welt geschifft und weniger Abf√§lle in M√ľlldeponien gelandet sind. Auch die Buchungen f√ľr Kreuzfahrten sind eingebrochen. Kreuzfahrtschiffe fahren mit Schwer√∂l, dem schmutzigsten und umweltsch√§dlichsten Treibstoff, sie verpesten die Luft und zerst√∂ren wertvolle und fragile √Ėkosysteme in der Arktis, in der Karibik oder auf den Galapagos Inseln. Die europ√§ische Kreuzfahrtflotte erzeugt mehr Luftverschmutzung als alle europ√§ischen Autos zusammen! Gleichzeitig ist der Flugverkehr zum ersten Mal seit 2009 zur√ľckgegangen. Es scheint, dass dieses kleine unsichtbare Virus mehr erreicht hat, als alle politischen Ma√ünahmen, Klimakonferenzen und Appelle von Wissenschaftler*innen und Klimaaktivist*innen. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass diese kurze Unterbrechung langfristige Auswirkungen hat.

Was wir aus der Krise lernen könnten

Dass sich das Coronavirus nicht von Slums der "Dritten Welt", sondern von hochindustrialisierten Regionen aus verbreitet und auf Kreuzfahrtschiffen, in Wintersportorten und sogar bei Treffen hochrangiger Politiker √ľbertragen wurde, zeigt uns, dass das Virus niemanden verschont. Es erinnert uns daran, dass wir ein Teil der Natur sind. Wir erleben uns als verletzlich und erkennen, dass die Sicherheit und die Kontrolle, in der wir zu leben glaubten, nur eine Illusion waren. Es ist einerseits ein Symbol f√ľr die Problematik der globalisierten √Ėkonomie, andrerseits aber auch ein Signal daf√ľr, dass wir nicht weitermachen k√∂nnen wie bisher. Krisen k√∂nnen eine Chance sein und uns M√∂glichkeiten f√ľr einen Neuanfang aufzeigen, aber nur wenn wir bereit sind, daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Das Virus hat uns vieles vor Augen gef√ľhrt. Es hat uns gezeigt, wie gef√§hrlich ausbeuterische Arbeitsbedingungen sind. Es hat uns gezeigt, wie abh√§ngig voneinander wir in unserer globalisierten Welt heute sind. Es hat uns gezeigt, wie gef√§hrlich es sein kann, bei lebenswichtigen Produkten von just-in-time-Lieferungen abh√§ngig zu sein. Es hat uns aber auch Alternativen aufgezeigt. Einige Industriebetriebe haben auf die Krise reagiert und ihre Produktion umgestellt: Parfumerzeiger produzierten Desinfektionsmittel und Autohersteller Beatmungsmaschinen. Und so sehen wir, dass es m√∂glich ist, Produktionen umzustellen, um jene G√ľter zu produzieren, die die Menschen wirklich brauchen.

Staaten, deren Gesundheitssystem √ľberlastet ist, sind dankbar f√ľr die Hilfe chinesischer oder kubanischer √Ąrzte. Auch die Entwicklung von Tests, Medikamenten und Impfungen fordert eine internationale Vernetzung und Zusammenarbeit. Die Auswirkungen der Rivalit√§t zwischen den imperialistischen M√§chten sowie die Konkurrenz zwischen den profitorientierten Pharmakonzernen sind jedoch t√∂dlich. Zudem ist kaum abzusch√§tzen, f√ľr wie viele Todesopfer die US-Sanktionen verantwortlich sind. Die Corona-Krise ist nur durch gemeinsame Anstrengungen zu bew√§ltigen und fordert - genau wie der Klimanotstand - ein Ende der herrschenden Ideologie, die Individuen, Nationalstaaten und Kontinente in ein Konkurrenzverh√§ltnis zueinander zwingt.

Die Corona-Krise f√ľhrt uns auch vor Augen, welche Berufe f√ľr unsere Gesellschaft wirklich relevant sind. Zu einem gro√üen Teil sind es Frauen, die die Gesellschaft am Laufen halten. Sie leisten in der Pflege, im Lebensmittelhandel und in der Reinigung lebenswichtige Arbeit unter schwersten Bedingungen und hohem Risiko. Au√üerdem zeigt uns die Krise das Dilemma unseres Altenbetreuungssystems auf. Die Frauen, die ihre eigenen Kinder, Eltern und Gro√üeltern zur√ľckgelassen mussten, um bei uns Alte und Pflegebed√ľrftige zu betreuen, konnten wegen geschlossener Grenzen nicht einreisen. Dieselben Frauen, denen man die Familienbeihilfe gek√ľrzt hat, wurden sogar mit Flugzeugen eingeflogen. Das zeigt uns, wie dringend es notwendig ist, menschenw√ľrdige und faire Alternativen zu diesem System zu finden.

Wie Krankheiten Gesellschaften verändern können

Infektionskrankheiten waren immer Teil des menschlichen Lebens. Seitdem sie sesshaft geworden sind und in gro√üen Siedlungen leben - also seit rund 10.000 Jahren - werden die Menschen von Epidemien geplagt. Im Mittelalter hat die Pest die europ√§ische Bev√∂lkerung mancher Regionen bis auf die H√§lfte reduziert. Auch die Pest wurde von Tieren (Ratten und Fl√∂hen) auf den Menschen √ľbertragen.

Krankheiten k√∂nnen aber auch Gesellschaften nachhaltig ver√§ndern. Die gro√üe Pestwelle im 14. Jahrhundert hat die Menschen nicht nur zu Hygienema√ünahmen gezwungen, der massive Bev√∂lkerungseinbruch hat auch zu sozialen Umw√§lzungen gef√ľhrt. Die √úberlebenden waren nicht mehr bereit, unter den alten Bedingungen zu arbeiten, und forderten h√∂here L√∂hne. Die Handwerksz√ľnfte sahen sich gezwungen, auch Mitglieder zuzulassen, denen man zuvor die Aufnahme verweigert hatte. Unter dem Druck des Arbeitskr√§ftemangels wurden auch die Lasten der leibeigenen Bauern vermindert und ihnen gr√∂√üere rechtliche und wirtschaftliche Spielr√§ume er√∂ffnet. In England f√ľhrte der gro√üe Bauernaufstand von 1381 zur Aufhebung der Leibeigenschaft. Wird auch diese Krise den Menschen in "systemrelevanten" Berufen zu mehr Selbstbewusstsein und gesellschaftlicher Anerkennung verhelfen, um eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen, eine Verk√ľrzung ihrer Arbeitszeit sowie eine angemessene Bezahlung einfordern zu k√∂nnen?

Das Corona-Virus zeigt nicht nur viele Probleme unseres Gesellschaftssystems auf, sondern l√§sst uns auch einen Blick auf L√∂sungsans√§tze werfen. Afrikanische Fischer profitieren von der Angst vor Covid-19, weil Konsument*innen keinen Tiefk√ľhlfisch aus China mehr kaufen. Dass der Westen mit seinem eigenen √úberleben besch√§ftigt ist, gibt afrikanischen Staaten zudem die M√∂glichkeit, eigene Produktionen aufzubauen und sich von der Abh√§ngigkeit von Importprodukten zu befreien. Werden sie diese Chance n√ľtzen?

Hören wir die Signale?

Wir sollten uns dar√ľber im Klaren sein, dass uns die aktuellen Notma√ünahmen nicht vor zuk√ľnftigen Krisen sch√ľtzen Die besten Ma√ünahmen, um Pandemien vorzubeugen, sind n√§mlich nicht soziale Isolation, H√§ndewaschen oder Schutzmasken, sondern ein Gesellschafts- und Wirtschaftssystem, in dem der Schutz der Menschen und der Natur Vorrang vor wirtschaftlichem Wachstum hat, und in dem die Produktion von den Bed√ľrfnissen der Menschen und nicht von den Profitinteressen multinationaler Konzerne gesteuert wird.

Das Virus lehrt uns, dass die menschliche Gesundheit mit der Gesundheit der nat√ľrlichen Umwelt untrennbar verbunden ist. Um einem neuerlichen Ausbruch eines Corona-Virus vorzubeugen, brauchen wir dieselben Schritte wie zur Bew√§ltigung der Klimakrise. Das Ziel sollte deshalb nicht sein, die Wettbewerbsf√§higkeit der Staaten im internationalen Konkurrenzkampf zu sichern, damit wir nach der Krise so weitermachen k√∂nnen wie bisher, sondern die Umgestaltung unseres Wirtschaftssystems in Angriff zu nehmen.

Zweifellos birgt die Krise auch gro√üe Gefahren. Es ist zu bef√ľrchten, dass manche Staaten die √úberwachungsma√ünahmen, die sie zur Bek√§mpfung der Corona-Pandemie eingef√ľhrt haben, auch nach der Krisenzeit beibehalten werden. Wird es uns gelingen, eine Aush√∂hlung der Demokratie zu verhindern? Und wenn es jetzt so rasch geklappt hat, auf Online-Arbeit und Online-Unterricht umzustellen, was sollte Unternehmen und Universit√§ten davon abhalten, weitere Einsparungen vorzunehmen und uns immer mehr voneinander zu isolieren? Wie unser Leben nach Corona aussehen wird, h√§ngt also davon ab, welche Konsequenzen wir aus der Krise ziehen.

Da die Entwicklung eines Impfstoffes viel Zeit ben√∂tigen wird, d√ľrfen wir nicht mit einem raschen Ende rechnen. In den L√§ndern des S√ľdens, deren zerbrechliches √∂ffentliches Gesundheitssystem durch 40 Jahre neoliberale Politik besch√§digt wurde, kann sich das Virus vervielfachen und danach in den Norden zur√ľckzukehren. In einigen L√§ndern verursachen aber die von den Regierungen verh√§ngten autorit√§ren und oft repressiven Ma√ünahmen mehr Opfer als das Virus selbst: Die Ausgangssperren f√ľhren zu Hunger und unbeschreiblichem Elend f√ľr jene Menschen, die in prek√§ren Verh√§ltnissen und ohne soziale Absicherung leben, viele Menschen sterben, weil sie nicht in die Krankenh√§user k√∂nnen oder werden Opfer von Polizeigewalt. Finanzexperten rechnen zudem damit, dass der gesundheitlichen Krise eine weltweite Rezession folgen wird, die sich schon seit Jahren anbahnt und f√ľr die das Virus nur ein Ausl√∂ser ist. Wie wird unsere Welt danach aussehen? Werden sich die Ungleichheiten weiter vertiefen, oder wird es uns gelingen, notwendige Ver√§nderungen unserer ungerechten und zerst√∂rerischen Wirtschaftsweise zu erk√§mpfen?

Die Corona-Krise ist ein Weckruf, der uns zeigt, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem - insbesondere in seiner neoliberalen Auspr√§gung - nicht in der Lage ist, die Gesundheit von uns als Individuen oder als Gesellschaften zu sch√ľtzen. Derzeit sieht es leider nicht danach aus, dass die politisch Verantwortlichen eine Abkehr vom neoliberalen Dogma nach der Krise in Erw√§gung ziehen. Andererseits haben viele Menschen durch die Krise begonnen, das Gesellschaftssystem, in dem wir leben, kritisch zu hinterfragen. Wenn wir in Zukunft nicht von einer Krise in die andere schlittern wollen, brauchen wir tiefgreifende Ver√§nderungen unseres dem Untergang geweihten Gesellschafts- und Wirtschaftssystems. Deshalb sollten wir uns nicht l√§nger darauf verlassen, dass uns die herrschende Klasse sch√ľtzt, sondern m√ľssen unsere Macht erkennen und selbst zu handeln beginnen. Wir haben gesehen, dass die Menschen in der Lage sind, sich durch eine Krise zu ver√§ndern, und das kann uns Kraft und Hoffnung geben.


veröffentlicht in Talktogether Nr. 72/2020