Corona Dialog PDF Drucken E-Mail

CORONA-DIALOG

Unverst├Ąndnis, moralische Entr├╝stung und Verurteilung, Ausgrenzung ...
k├Ânnten wir nicht auch anders mit den Widerspr├╝chen und Problemen umgehen, die sich infolge der Corona-Ma├čnahmen ergeben?


Andrea: Ich habe gesehen, dass du an einer Demo gegen die Corona-Ma├čnahmen teilgenommen hast. Ich bin schockiert! Wie kannst du nur mit Leuten auf einer Demo marschieren, die sich weigern, Masken zu tragen und Abstand zu halten? Das finde ich verantwortungslos. Wir m├╝ssen doch alles tun, damit nicht noch mehr Menschen sterben. Oder glaubst du etwa auch, dass das Virus nur eine Erfindung ist?

Birgit: Ich finde es ziemlich ├╝berheblich von dir, wie du ├╝ber mich urteilst. Ich leugne nicht, dass es das Virus gibt, aber ich mache mir Sorgen, dass unsere Freiheit und unsere demokratischen Rechte eingeschr├Ąnkt und wir bald in einem Polizeistaat leben werden. Wie lange sollen wir die st├Ąndige Panikmache durch die Medien und die Politik noch ertragen?

Andrea: Beklagst du dich, nur weil du nicht ins Gasthaus oder ins Theater gehen kannst? Das finde ich egoistisch. Wei├čt du nicht, was die Menschen durchmachen m├╝ssen, die in den Krankenh├Ąusern arbeiten?

Birgit: Das wei├č ich schon. Ich finde es auch unfair, dass Pflegekr├Ąfte so wenig verdienen und so lange Arbeitszeiten haben. Aber daran sind die Regierungen und Krankenhausverwaltungen schuld, die beim Personal immer mehr k├╝rzen und stattdessen teure Ger├Ąte kaufen.

Andrea: Warum demonstrierst du dann nicht daf├╝r, dass das Pflegepersonal h├Âhere L├Âhne und bessere Arbeitsbedingungen bekommt, statt auf Corona-Demos zu gehen?

Birgit: Wenn es daf├╝r eine Demo gibt, sag mir Bescheid, ich werde kommen. Trotzdem sehe ich nicht ein, warum wegen einer Krankheit mit einer Sterberate von nur wenigen Prozent die ganze Bev├Âlkerung in Geiselhaft gehalten wird. Wir sollten uns lieber gesund ern├Ąhren und viel Bewegung in der frischen Luft machen, dann hat unser K├Ârper genug Abwehrkr├Ąfte, um sich gegen das Virus zu wehren.

Andrea: Wie kann man aktzeptieren, dass so viele Menschen sterben? Haben die wenigen Prozent nicht auch das Recht, zu leben? Wir m├╝ssen solidarisch sein und zu Hause bleiben.

Birgit: Aber was ist, wenn die Corona-Ma├čnahmen mehr Schaden anrichten als die Krankheit? Der Mensch ist doch ein soziales Wesen, und Isolation ist eine Folter. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ├╝berf├╝llt, Studenten leiden an Depressionen, weil sie keine Kontakte haben, es ist auch zu Selbstmorden gekommen. Denkst du nicht dar├╝ber nach, welche Folgen es f├╝r die Kinder haben wird, wenn sie so lange nicht in die Schule gehen und keine Freunde treffen k├Ânnen? Auch h├Ąusliche Gewalt und Alkoholismus haben wegen der Lockdowns zugenommen. Und was ist mit den Menschen, die jahrelang gearbeitet und gespart haben, um ein kleines Unternehmen zu er├Âffnen? Die stehen jetzt mit einem Haufen Schulden vor den Tr├╝mmern ihrer Existenz. Sollten wir nicht auch mit ihnen solidarisch sein?

Andrea: Ja, die Lockdowns verursachen gro├če Probleme. Aber mit den halbherzigen Ma├čnahmen unserer Regierungen wird doch nur alles hinausgez├Âgert! Ich bin f├╝r einen versch├Ąrften Lockdown, weil das alle f├╝hrenden Wissenschaftler empfehlen. Es kann doch nicht sein, dass man sich in der Freizeit einschr├Ąnken muss, aber jeden Tag im Bus und in der Arbeit mit vielen Menschen zusammentrifft und sich ansteckt. Deshalb sollten alle Betriebe zusperren, die keine lebenswichtigen Produkte herstellen, und zwar solange bis die Infektionszahlen auf null gedr├╝ckt worden sind. Nat├╝rlich muss es umfassende Hilfen f├╝r alle geben.

Birgit: Deinen Vorschlag halte ich f├╝r naiv und illusorisch. Wer soll das alles bezahlen? Bestimmt nicht unser Herr Bundeskanzler, seine Minister oder die Manager und Vorstandschefs. Am Ende sind es wir Steuerzahler*innen, die in Zukunft noch mehr arbeiten m├╝ssen und noch weniger verdienen werden, um die horrenden Schulden abzubezahlen. Viele Experten meinen auch, dass das Virus niemals verschwinden wird. Wir k├Ânnen doch nicht ewig im Lockdown bleiben. Wir m├╝ssen lernen, mit dem Virus zu leben, denn die Natur k├Ânnen wir nicht besiegen.

Andrea: Es gibt aber doch L├Ąnder, denen es gelungen ist, das Virus unter Kontrolle zu halten, China, Neuseeland, Vietnam und Kuba zum Beispiel! Es w├Ąre besser, sich ein Beispiel an denen zu nehmen, anstatt mit Nazis und Identit├Ąren zu marschieren. Hast du kein Problem mit diesen Typen?

Birgit: Was kann ich daf├╝r, dass sonst keiner f├╝r unsere Anliegen eintritt? Du wei├čt bestimmt auch, dass man bei einer Demo nicht kontrollieren kann, wer auftaucht, ob es nun die Identit├Ąren sind oder der Schwarze Block. Es stimmt aber nicht, dass die Leute auf den Demos alle Nazis sind. Es sind einfach Leute, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen.

Andrea: Hast du dir nie ├╝berlegt, warum wir ├╝berhaupt so viel arbeiten m├╝ssen, obwohl weltweit ├ťberproduktion herrscht? Und warum so viele Menschen in Existenznot geraten m├╝ssen, nur weil eine Zeit lang weniger gearbeitet und produziert wird?

Birgit: Diese Fragen sind berechtigt, nur helfen sie den Menschen nicht, die jetzt Probleme haben. Wer autorit├Ąre und noch strengere Ma├čnahmen fordert, statt sich f├╝r die Menschen einzusetzen, die ihre Jobs verlieren oder deren Unternehmen vor dem Ruin stehen, treibt sie doch regelrecht in die Arme der Rechten.

Andrea: Diese Gruppen interessieren sich doch nicht f├╝r eure Probleme, die nutzen nur eure Kritiklosigkeit aus! Glaubst du etwa auch, dass das Virus im Labor hergestellt worden ist?

Birgit: Nein, das glaube ich nicht. Es ist aber schon vorgekommen, dass ein Virus aus einem Versuchslabor entwichen ist. Aber egal, darum geht es nicht. An der Malaria sterben in Afrika jedes Jahr viel mehr Kinder, aber da wird nichts getan. In China hat man schon 1971 ein pflanzliches Malaria-Medikament entwickelt, das aber nicht zugelassen wurde, weil es die Pharmakonzerne verhindert haben. Und du wei├čt sicher auch, wie S├╝dafrika darum k├Ąmpfen musste, um Medikamente gegen Aids herstellen zu k├Ânnen. Und jetzt reden sie davon, dass es darum geht, Menschenleben zu retten? Sie machen jetzt ein Riesengesch├Ąft mit Impfstoffen, obwohl man gar nicht wei├č, wie wirksam und sicher sie sind. Sollte man da nicht misstrauisch werden?

Andrea: Was w├╝rdest du dann vorschlagen? Wir k├Ânnen doch nicht einfach gar nichts tun ...

Birgit: Nein, eh nicht, aber es sollte nicht alles so diktatorisch von oben herab entschieden werden.

Andrea: Hm, da stimme ich dir zu. Wenn man diejenigen mitreden lie├če, die t├Ąglich in den Schulen und Betrieben arbeiten, w├╝rden mehr Menschen die Ma├čnahmen mittragen, als wenn sie sich ignoriert und ├╝bergangen f├╝hlen. Das w├Ąre Demokratie. Man k├Ânnte sogar die Sch├╝ler*innen Vorschl├Ąge machen lassen, dann w├╝rden sie etwas wirklich Wichtiges f├╝rs Leben lernen.


ver├Âffentlicht in Talktogether Nr. 75/2021