Internationaler Frauentag 2022 PDF Drucken E-Mail

Wie wollen wir leben?

Was können wir beitragen und was brauchen wir,
um uns entfalten zu können?

Beim Workshop zum Internationalen Frauentag diskutierten wir √ľber die Frage, wie wir leben wollen und welche Faktoren uns daran hindern, uns zu entfalten, aber auch wie wir diese Hindernisse gemeinsam √ľberwinden k√∂nnen ‚Äď auf individueller und auf gesellschaftlicher Ebene. Das anschlie√üende Fest bot den Frauen die M√∂glichkeit, in entspannter Weise bei einem schmackhaften und gesunden Essen √ľber die Ergebnisse des Workshops zu diskutieren und gemeinsam zu feiern.


Anl√§sslich des diesj√§hrigen Internationalen Frauentages haben wir am 11. M√§rz Frauen aus unterschiedlichen Communities zu einem Workshop und einem Frauenfest eingeladen. Wir, das sind das Projekt Drehscheibe Integration von Frau & Arbeit, der Verein Talk Together, Somos Salzburg sowie das ABZ ‚Äď Haus der M√∂glichkeiten zusammen mit dem privaten Engagement von Sumeeta Hasenbichler. Insbesondere haben wir Frauen angesprochen, die in Vereinen aktiv sind und die erarbeitenden Ideen in ihre Communities weitertragen k√∂nnen.

Der Workshop und das Fest hatten zum Ziel, gerade nach der langen Zeit der Pandemie, die Zuversicht der Frauen (wieder) zu st√§rken, gemeinsam weiterhin wirkungsvoll f√ľr Frauenrechte und ein besseres Leben eintreten zu k√∂nnen, sowie allgemein den Austausch und die Vernetzung zwischen den verschiedenen Initiativen, die sich dem Empowerment von Frauen mit Migrationsgeschichte verschrieben haben, zu f√∂rdern. Die Idee war, die Frauen mithilfe kreativer Elemente dazu zu motivieren, ihre Bed√ľrfnisse auszudr√ľcken, eigene Ideen einzubringen und Visionen f√ľr die Zukunft zu entwickeln.

Der Workshop wurde von der Theaterp√§dagogin Barbara Wick geleitet, mit der der Verein Talktogether bereits 2010/2011 das Forum-Theaterprojekt Dalli-Schwei√üfabrik umgesetzt hat. Theaterp√§dagogische √úbungen am Beginn des Workshops, um die Konzentration zu f√∂rdern und das Vertrauen ineinander zu st√§rken, machten es f√ľr die Teilnehmerinnen pers√∂nlich erlebbar, welche Kraft und Ausdruckst√§rke in uns Frauen steckt und wie sich Zusammenhalt und Solidarit√§t k√∂rperlich anf√ľhlen. In einem World-Caf√© wurde schlie√ülich gemeinsam inhaltlich erarbeitet, was jede von uns f√ľr ein besseres Leben individuell beitragen kann, und was es von der Gesellschaft braucht, damit Frauen ihr Potenzial entfalten k√∂nnen. Die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Forderungen an Politik und Gesellschaft wurden im anschlie√üenden Festteil pr√§sentiert.

Anwesend waren Vertreterinnen der Integrationsabteilung des Landes Salzburg und die Landtagsabgeordnete Lisl Weitgasser, die √ľber pers√∂nliche Lebenserfahrungen berichtete. Frau Weitgasser hatte in den 1980er Jahren in den USA eine Pilotenausbildung absolviert, in Europa war ihr aber aufgrund √ľberkommener Rollenbilder eine Karriere als Pilotin verwehrt worden. Ursula Liebing von Frau & Arbeit forderte mehr professionelle staatliche Hilfe f√ľr Gefl√ľchtete, Integration d√ľrfe nicht allein die Aufgabe von Ehrenamtlichen sein. Sie pl√§dierte au√üerdem f√ľr mehr Bildungsangebote f√ľr Frauen, denen in ihren Herkunftsl√§ndern der Zugang zur Bildung verwehrt wurde.


Ergebnisse des Workshops:

Arbeit: Gefordert wird u.a. eine faire Bezahlung f√ľr Frauenberufe z.B. in der Pflege und der Kinderbetreuung, Vertrauen in die F√§higkeiten von Migrantinnen, die Wertsch√§tzung ihrer Person und ihrer fachlichen Kompetenz, mehr Entwicklungsm√∂glichkeiten im Beruf sowie eine bed√ľrfnisgerechte und zeitflexible Kinderbetreuung (z.B. in Betriebskinderg√§rten) sowie eine aktive Personalpolitik mit der Sichtbarkeit von Migrantinnen.

Diskriminierung: Die Frauen erwarten Akzeptanz und einen respektvollen Umgang. Um zu verhindern, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert werden, brauche es mehr positive Medien√∂ffentlichkeit f√ľr Menschen mit Migrationsgeschichte, statt Migration als Problem darzustellen.

Bildung: Die Teilnehmerinnen berichten √ľber Erfahrungen mit der Diskriminierung ihrer Kinder im Bildungsbereich und fordern, dass Kinder, die eine andere Erstsprache als Deutsch haben, nicht automatisch in Vorschul- oder Deutschf√∂rderklassen verwiesen werden, auch der Besuch eines Gymnasiums sollte f√ľr sie m√∂glich sein und unterst√ľtzt werden.

Existenzsicherung: Hier werden insbesondere die unbezahlbaren Kosten f√ľr geeigneten Wohnraum als Problem identifiziert.

Mitbestimmung: H√ľrden beim Zugang zur Staatsb√ľrgerschaft sollten abgebaut und mehr Mitbestimmung in allen Lebensbereichen erm√∂glicht werden.

Soziales: Wichtig seien der Austausch auf Augenh√∂he und mehr R√§ume f√ľr Begegnung und Kennenlernen.

Was können wir selbst tun?

Als pers√∂nliche Strategien nannten die Frauen u.a. gegenseitige Unterst√ľtzung und Aufmerksamkeit, es sei aber auch sehr wichtig, auf sich selbst zu schauen, auf die eigene k√∂rperliche und psychische Gesundheit zu achten, auch einmal NEIN sagen zu k√∂nnen und die Beteiligung der M√§nner bei Haushalt und Erziehung einzufordern.

Das Fest wurde umrahmt von den Kochk√ľnsten der Frauen des Vereins Somos Salzburg, die ein k√∂stliches vegetarisches Men√ľ mit Quinoa aus Peru zubereiteten. In ihrer Rede betonte Obfrau M√≥nica Ladinig: ‚ÄěWir sind hier eine kleine Gruppe, aber hinter uns stehen viele Frauen, die t√§glich k√§mpfen.‚Äú Den Abschluss bildete ein Tanzimpuls von Zara Zaitova. So konnten sich Frauen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft in angenehmer Atmosph√§re austauschen und gemeinsam feiern.

F√ľr das n√§chste Jahr hat sich die Arbeitsgruppe vorgenommen, an den diesj√§hrigen Ergebnissen weiterarbeiten und sich der Entwicklung von konkreten Ma√ünahmen zu widmen, z.B. der Besch√§ftigung von Frauen mit geringer Qualifikation.

Bild: Nina Vasilchenko
Foto: Eren Akinola


veröffentlicht in Talktogether Nr. 80/2022