500 Jahre Bauernkriege in Salzburg PDF Drucken E-Mail

Als die Salzburger Bauern sich erhoben

Im Jahr 1525 eroberte ein Heer aufständischer Bauern zahlreiche Schlösser und Burgen im ganzen Land Salzburg, bis sie auch in die Landeshauptstadt einzogen. Der ungeliebte Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg musste sich auf die Festung zurückziehen, die von den Aufständischen drei Monate lang belagert wurde. Der Salzburger Bauern waren die einzigen in ganz Mitteleuropa, deren Herrschaft zumindest vorübergehend anerkannt wurde. Sie mussten auch nicht einfach kapitulieren, sondern gingen einen Waffenstillstand ein, der zumindest einige Monate hielt. Das Land Salzburg war zudem das einzige Gebiet, wo die Bauern im Jahr 1526 den Kampf nochmals aufnahmen.

Der Aufstand der Salzburger Bauern, der sich im Frühjahr 1525 im ganzen Land Salzburg ausbreitete, fand vor dem Hintergrund der Bauernkriege statt, die in vielen Teilen Süddeutschlands und Österreichs aufflammten. Die Bauern fühlten sich im Recht, denn sie waren der Überzeugung, dass eine neue Leibeigenschaft eingeführt worden war, die es zuvor nicht gegeben hatte. Tatsächlich waren die Abhängigkeitsverhältnisse zwar nicht neu, sie waren jedoch intensiviert worden.

Der Bauernkrieg in Deutschland

Die Aufstände gegen die Obrigkeit wurden getragen von der ländlichen Bevölkerung, die gegen die hohen Steuern und für die Wiederherstellung der „alten Ordnung“ kämpfte – ein mündlich überliefertes Recht, das Dorfgemeinschaften die Nutzung von Wiesen und Wäldern erlaubte. Dieses Recht wurde von den Grundbesitzern jedoch zunehmend missachtet. Der traditionelle Gemeinschaftsbesitz wurde enteignet, Weide-, Holzschlag-, Fischerei- und Jagdrechte beschnitten.

Im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert hatte die deutsche Industrie einen bedeutenden Aufschwung genommen. Handelsstädte wie die Hansestädte im Norden sowie Nürnberg und Augsburg im Süden waren Mittelpunkte eines ansehnlichen Reichtums. Die Bevölkerung bestand jedoch zu 80 Prozent aus Bauern, und diese trugen die Last der ganzen Gesellschaft. Sie finanzierten Adel und Geistlichkeit, hatten aber kaum politische Rechte. Der hohe Adel und die Fürsten machten Krieg und Frieden auf eigene Faust, hielten stehende Heere und schrieben Steuern aus, wie es ihnen gefiel. Während die Städte durch Privilegien geschützt waren, fiel die ganze Steuerlast auf den Bauernstand. Waren sie Leibeigene, waren sie den Grundherren auf Gnade und Ungnade ausgeliefert, waren sie Hörige, mussten sie den größten Teil ihrer Zeit auf den Gütern des Herrn arbeiten und außerdem noch Zehenten, Steuern und Zins abliefern.

Einfluss der Reformation

Unter dem Eindruck der Reformation wollten die Bauern eine Gesellschaftsordnung nach einer „Göttlichen Ordnung“ errichten, die sie von der Bibel ableiteten. Die Leibeigenschaft sollte abgeschafft, die Steuerabgaben reduziert und alte Rechte und Freiheiten wieder hergestellt werden.

Vor allem zwei religiöse Führer spielten entscheidende Rollen in diesem Kampf. Der erste war Martin Luther, der die Missstände und die Korruption in der katholischen Kirche anprangerte. Mit seinen Ideen gelang es ihm, das Bürgertum und Teile des Adels an sich zu ziehen. Luthers Forderung nach der reinen Lehre wurde von vielen Menschen jedoch nicht nur als religiöse „Frage“, sondern als Basis für eine Erneuerung der Gesellschaft betrachtet. Vor allem die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ hatte großen Einfluss. Mit seiner Übersetzung der Bibel hatte er dem Volk zudem ein mächtiges Werkzeug in die Hände gegeben. Sein Gegenspieler war Thomas Münzer, der sich an die Spitze der Ausgebeuteten und Geknechteten stellte. Münzer war ein fanatischer Asket, den wir heute als Fundamentalisten bezeichnen würden. Sein Programm forderte die Zurückführung der Kirche auf ihren Ursprung und die Beseitigung aller Institutionen, die mit der urchristlichen Kirche in Widerspruch standen. Er nahm die Bibel beim Wort und predigte, dass alle Menschen vor Gott gleich seien. Jeder solle des andern Bruder sein, sein Brot mit seiner Hände Arbeit gewinnen und keiner mehr haben als der Andere.

Während das Volk Münzers Botschaft mit Freuden aufnahm, hatte Luther für die aufständischen Bauern kein Verständnis. Aus seiner Interpretation von Bibelzitaten stellte er einen Freibrief für die Obrigkeit zusammen, wie es nicht einmal der katholischen Kirche und der Monarchie eingefallen war. Eine Gleichheit der Menschen gebe es nur im Paradies, predigte er, auf Erden hätten die Geknechteten die Herrschaft zu akzeptieren, auch wenn sie ungerecht sei. Die Reformation wurde damit zu einer Bewegung der Fürsten, um ihre eigene Macht zu festigen. Die Rebellion der Bauern wurde von ihnen blutig niedergeschlagen, und Thomas Münzer am 15. Mai 1525 gefangen genommen, gefoltert und am 27. Mai enthauptet.

Bauern und Bergleute verbünden sich

Bereits vor dem großen Bauernkrieg war es im Land Salzburg zu Aufständen der ländlichen Bevölkerung gekommen, insbesondere in den Jahren 1458 und 1462, was von der wachsenden Unzufriedenheit mit der Herrschaft der Erzbischöfe und den ständig steigenden Abgaben zeugt. Die Bauern hatten ein hochentwickeltes Rechtsempfinden und waren überzeugt, die legitimen Führer des Landes zu sein, was sie darin zum Ausdruck brachten, dass sie sich als Salzburger „Landschaft“ bezeichneten.

Dass die Bauern in Salzburg militärische Erfolge erzielen konnten, die anderswo selten waren, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sich Bergleute aus Gastein und Rauris mit ihnen verbündeten. Durch den Aufschwung des Gold- und Silberbergbaus hatte sich nämlich ein neuer Stand von selbstbewussten Facharbeitern entwickelt, die von den Ideen der Reformation beeinflusst waren. Die Bergknappen, die in Gegensatz zu den Bauern das Recht hatten, Waffen zu tragen, und diese auch einsetzten, waren gut organisiert und hatten eigene Anführer (Gewerken). Sie verfassten auch eine eigene Liste mit Forderungen – die „14 Gasteiner Artikel“ – in denen sie ihre Rechte und mehr Selbstbestimmung in religiösen und weltlichen Angelegenheiten verlangten. Mit ihrer Hilfe gelang es den Bauern am 3. Juli 1525 bei Schladming sogar ein Heer der Habsburger zu besiegen und viele Adelige gefangen zu nehmen.

Da die Habsburger und Wittelsbacher Fürsten bestrebt waren, das Erzbistum Salzburg entweder Österreich oder Bayern einzuverleiben, hatte man den Salzburger Erzbischof lange hängenlassen. Der Aufstand konnte erst niedergeschlagen werden, nachdem sich dieser durch hohe Geldsummen die Hilfe des Schwäbischen Bundes erkaufte. Es kam aber nicht zur Schlacht, sondern zu Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen, die in einen auf den 31. August 1525 datierten Vertrag (compromiss) mündeten. Die Aufständischen mussten die Kosten der Unruhen bezahlen, die gefangen gehaltenen Adeligen freilassen und erbeutete Geschütze zurückgeben, dafür wurde eine Amnestie erlassen. Vor allem aber sollte eine neue Landesordnung gemeinsam von Vertretern aller Stände erstellt werden.

Der zweite Aufstand im Jahr 1526

Der Erzbischof Kardinal Lang hielt sich nicht lange an die Abmachung. Und so wurde der Waffenstillstand im Sommer 1526 wieder gebrochen, allerdings wurde der Kampf diesmal vom großen Tiroler Bauernführer Michael Gaismair angeführt. Nach dem Scheitern des Aufstands in Tirol war dieser in den Pinzgau geflohen, um dort die Bauern, Bergleute und Handwerker in ihrer Rebellion gegen den Erzbischof zu unterstützen. Seine Mitstreiter sammelten all jene um sich, die unzufrieden waren, weil die erste Revolte keine Ergebnisse gebracht hatte.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen verliefen diesmal blutiger und grausamer als im Jahr zuvor. Der Erzbischof war entschlossen, den Widerstand im Gebirge endgültig zu zerschlagen. Dennoch erzielten die Aufständischen im Mai und Juni einige Erfolge in Gefechten gegen das Heer des Schwäbischen Bundes. Am 14. April standen die Bauern vor den Toren von Radstadt und belagerten die Stadt zwei Monate lang. Im Juni wurde die Rebellion jedoch mit großer Brutalität niedergeschlagen, und die Aufständischen mussten sich ergeben. Die Folge waren harte Strafen und Repressalien. Im November 1526 erließ der Erzbischof eine neue Ordnung, um die Bauern unter Kontrolle zu halten: Der Waffenhandel wurde streng reglementiert und die Beamtenschaft effektiver organisiert.

Trotz der Niederlage konnte das Selbstbewusstsein – vor allem der Bauern im Gebirge – nicht gebrochen werden. Die Unzufriedenheit unter der ländlichen Bevölkerung blieb weiterhin groß, und es kam auch später noch zu Aufständen. Im 17. Jahrhundert, während der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges, wurde dann Oberösterreich eine Hochburg der Bauernaufstände, die erst mit der Aufhebung der Grunduntertänigkeit im Zuge der Märzrevolution im Jahr 1848 ein Ende fanden.

500 Jahre später …

Anlässlich des 500. Jahrestages der Eroberung der Burg Hohenwerfen im Salzburger Bauernkrieg organisierte der Burgverwalter Marcus Hank am 21. Juni 2025 ein kollektives Theater-Event, bei dem die Einnahme und Besetzung der Burg durch Bauern und Bergknappen mit Beteiligten aus der gesamten Region nachgestellt wurden. (www.deraufstand.at)

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Quellen und Infos:

· Beinah ein Glücksfall. Der Bauernkrieg von 1525 in Salzburg. 
Interview mit Dr. Heinz Dopsch, Professor für Mittelalterliche Geschichte, Youtube 8.2.2021

· Gastein im Bild: Die14 Gasteiner Artikel

veröffentlicht in Talktogether Nr. 95/2026