walk together - learn together 2018: Verein Erdling, Oberndorf Drucken

Talktogether-Exkursion

zum Verein Erdling in Oberndorf

Am 14. Juli 2018 unternahm der Verein Talktogether im Rahmen des von der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung geförderten Projekts „Walk Together – Learn Together“ eine Exkursion nach Oberndorf zum Verein Erdling. Die Landwirtschaftskooperative wurde 2013 in Salzburg ins Leben gerufen, als sich ein paar Leute zusammenschlossen mit dem Ziel, sich mit eigenen Lebensmitteln versorgen.


Foto: Mehdi Abbasi

Gemeinsam fuhren wir – zehn Frauen, sechs Männer und vier Kinder aus Afghanistan, Indonesien, dem Irak Österreich, Somalia und Syrien – mit der Lokalbahn nach Oberndorf. Dort erwartete uns schon Antonia Osberger, die Geschäftsführerin des Vereins Erdling. Sie führte uns durch den Obstgarten und den Gemüseacker, wo gerade Zwiebeln geerntet wurden.

„Ich habe immer in einem Wohnblock gelebt“, erklärt Antonia ihre Motivation, sich mit Landwirtschaft zu beschäftigen. „Vor allem wollte ich, dass mein Sohn weiß, woher das Essen kommt. Wenn man die Lebensmittel im Supermarkt kauft, weiß man ja nicht, woher sie stammen und wie sie produziert wurden. Seitdem wir hier mitmachen, fragt er nicht mehr nach Produkten, die aus fernen Ländern importiert werden. Weil er weiß, wie viel Mühe es macht, die Nahrungsmittel anzubauen, schmeißt er auch nichts mehr weg!“

Beim Projekt geht nicht nur um die Erzeugung von Bio-Lebensmitteln, sondern auch ums gemeinsame Wirtschaften. Hier hat hier nicht jeder sein eigenes Gemüsebeet wie in einem Gemeinschaftsgarten, sondern alle arbeiten, entscheiden und konsumieren die Ernte gemeinsam. Grundstücke wurden in der Stadt Salzburg, in Oberndorf und in Oberhofen am Irrsee gepachtet und dort Gemüseäcker und Obstbauwiesen angelegt. Jedes Mitglied zahlt monatlich einen Beitrag für die anfallenden Kosten und beteiligt sich an der Arbeit. Wer im Jahr 100 Stunden arbeitet, erhält jede Woche einen Ernteanteil, wer 50 Stunden arbeitet, jede zweite Woche. Die Arbeitseinsätze werden über eine Homepage organisiert, und damit es keine Streitigkeiten gibt, schreibt jeder die geleisteten Arbeitsstunden auf.

Je nach den Vorlieben der Teilnehmer*innen werden unter anderem Fisolen, Käferbohnen, Kartoffeln, Mais, Kürbis, Salat, Zwiebel, Tomaten, Zucchini, Mangold, Spinat, Kohlrabi, Karotten, Rote Rüben, Kraut und Sellerie angebaut, wobei nur samenfeste Sorten verwendet werden, um nicht von Konzernen abhängig zu sein.

Damit der Boden lebendig bleibt, wird die Erde zwischen den Pflanzen mit Heu abgedeckt. Dieses dient als Nahrung für Bodenlebewesen wie Regenwürmer, die den fruchtbaren Humus erzeugen. Weil sie die Erde auflockern, muss man auch nicht umgraben. „Wenn du sie fütterst, füttern sie dich“, sagt der Gärtner Michael. „In der Natur findet man keine nackte Erde“, erfahren wir von Antonia. „Weil durch das Mulchen die Feuchtigkeit im Boden bleibt, müssen wir die Pflanzen nicht gießen, außerdem wird das Wachstum von Beikräutern unterdrückt.“

Der Verein besteht zurzeit aus 60 Mitgliedern, die verschiedene Berufe ausüben. Als Experte begleitet der Gärtner Michael Limmer, der über jahrelange Erfahrung in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft verfügt, das Projekt. Naben dem Obst- und Gemüseanbau beschäftigen sich die „Erdlinge“ auch mit Saatgutvermehrung, Sensenmähen, Kompostierung, Obstbaumschnitt, Wildbienennisthausbau, Weidenflechten sowie der Herstellung von Salben und der Haltbarmachung von Lebensmitteln. Das Ziel ist es dabei, voneinander zu lernen und Interesse für einen regionalen, ökologisch verträglichen Landbau und alternative Vermarktungsformen zu wecken.

An diesem Tag haben wir viel Neues gelernt, beim Mulchen mitgeholfen und anschließend gemeinsam gegrillt. Die Kinder waren begeistert von den Hasen, die sie in der Hand halten und streicheln durften, auch der selbstproduzierte Honig hat großen Anklang gefunden. Alle Teilnehmer*innen haben den Ausflug als Bereicherung empfunden. „Ich lebe seit Jahren mit meinen Kindern in Salzburg, und bin noch nie aus der Stadt heraus gekommen“, sagte eine aus Somalia stammende Teilnehmerin.

gefördert durch: